Kreditkartenabwickler GZS führt exklusive Verkaufsgespräche mit First Data
FRANKFURT, 7. Oktober. Die Gesellschaft für Zahlungssysteme GmbH (GZS) in Bad Vilbel führt nach Informationen dieser Zeitung exklusive Verkaufsgespräche mit dem amerikanischen Kartenzahlungsabwickler First Data. Damit hat First Data, der im Sommer eine erste Buch- und Prozeßprüfung (Due Diligence) in der GZS durchführte, mit einem anschließend abgegebenen "indikativen Angebot" andere Interessenten wie Global Payments vorerst ausgestochen. Die Verkaufsverhandlungen haken zwar immer wieder; doch Verhandlungskreise sehen jetzt einen Durchbruch in greifbarer Nähe. Am 18. Oktober ist eine Aufsichtsratssitzung der GZS, auf der der Verkauf an First Data tatsächlich besiegelt werden könnte, heißt es. Beide Verhandlungspartner wollten keine Stellung nehmen. In Deutschland sind rund 21 Millionen Kreditkarten im Umlauf. Die Banken und Sparkassen haben dieses Geschäft ausgelagert. Mit 8 Millionen Kreditkarten ist die GZS Marktführer in Deutschland vor der französischen Tochtergesellschaft von Atos Origin. Die GZS ist ein e-hemaliger Monopolist, an dem alle drei deutschen Bankengruppen beteiligt sind. Schon mehrmals ist der Verkauf der GZS gescheitert. First Data ist einer der größten Zahlungsdienstleister der Welt und wickelt in Europa derzeit die Zahlungen von 57 Millionen Karten ab. Die GZS hat in den vergangenen vier Jahren operativ Verlust gemacht - im Jahr 2004 allein 20 Millionen Euro. Für dieses Jahr hat Geschäftsführer Norbert Pawlowski, der im November 2004 als Sanierer zu dem Kreditkartenabwickler kam, ein ausgeglichenes Ergebnis als Ziel ausgegeben. Dem Vernehmen nach wird die GZS sogar einen deutlichen Gewinn machen. Eine schon länger angekündigte Kooperation mit der Bayern Card GmbH, die für die bayerischen Sparkassen knapp eine Million Karten betreut, ist unterschriftsreif und soll in den nächsten Wochen endlich vereinbart werden. Zudem konnte die GZS in den letzten Wochen ein Kartenportfolio der WestLB als Kunden gewinnen. Allerdings droht der GZS jetzt abermals ein empfindlicher Rückschlag. Der Einzelhändler Karstadt-Quelle, der bislang die Transaktionen von 700 000 Karten über die GZS abwickeln ließ, läßt seit Herbst 2004 sein Rechenzentrum vom GZS-Konkurrenten Atos betreiben. Branchenkreise erwarten, daß Karstadt-Quelle auch die Kartenabwicklung von der GZS zu Atos abziehen wird. Damit könnte der Abwickler Atos, der derzeit 7 Millionen Karten betreut, mit der GZS gleichziehen.

Der Verlust des Kunden Karstadt-Quelle dürfte sich dämpfend auf den Wert der GZS auswirken. Verhandlungskreise gehen indes davon aus, daß sich GZS und First Data auf einen Kaufpreis werden einigen können. Auch mögliche kartellrechtliche Probleme, die Beobachter durch den Zusammenschluß von GZS und First Data sehen, weil die jeweiligen Tochtergesellschaften Easycash und Telecash auf dem deutschen Markt für elektronisches Bezahlen im Handel zusammen auf eine marktbeherrschende Stellung kommen, gelten als lösbar. Ein Verkauf der GZS an First Data scheiterte in der Vergangenheit denn auch immer vor allem daran, daß die Eigentümer der GZS nicht einig darüber sind, ob überhaupt verkauft werden soll. Diesmal könnte sich, so wird in Finanzkreisen spekuliert, die genossenschaftliche Bankengruppe im letzten Moment noch quer stellen. Seit längerem wollen die privaten Banken ihren Anteil von 40 Prozent an der GZS verkaufen. Mit Ausnahme der Deutschen Bank sind alle Großbanken wie die Dresdner Bank, die Commerzbank und die Hypo-Vereinsbank inzwischen zu Konkurrenten der GZS abgewandert. Die privaten Banken galten denn auch als treibende Kraft hinter dem Verkauf der GZS an Atos, der 2004 scheiterte. Damals hegte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV), der ebenfalls 40 Prozent an der GZS hält, noch Hoffnungen, daß sich aus der GZS ein zentraler Kreditkartenabwickler für die gesamte Sparkassen-Finanzgruppe machen lasse. Doch die Pläne des DSGV gelten als gescheitert, seitdem Atos zum Jahresbeginn der GZS einen Kartenabwickler vieler Sparkassen, die Pluscard GmbH in Saarbrücken, als Kooperationspartner wegschnappte. Im Schatten der Sparkassen-Finanzgruppe vollzieht die genossenschaftliche Bankengruppen, die mit Hubert Piel (Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken) und Dietrich Voigtländer (DZ Bank) zwei GZS-Aufsichtsratsmitglieder stellt, seit längerem einen Zickzackkurs. Das Spitzeninstitut DZ Bank hält zwar 20 Prozent an der GZS. Aus Unzufriedenheit mit der GZS hat die genossenschaftliche Bankengruppe aber im Juni 2004 eine eigene Gesellschaft für die technische Bearbeitung (Processing) ihrer 2 Millionen Mastercard-Kreditkarten gegründet. Zuvor hatten die Kreditgenossen viele Monate mit der GZS Geduld bewiesen; doch die GZS war nicht in der Lage, ein System anzubieten, mit dem die Kundenberater in der örtlichen Volks- oder Raiffeisenbank permanenten Einblick in das Kreditkartenkonto des Kunden haben. Insofern erscheint Beobachtern die Gründung der Card Process GmbH konsequent. Damit hat die DZ Bank indes ihrer Beteiligung GZS einen schweren Schlag versetzt. GZS-Aufsichtsrat und DZ-Bank-Vorstand Voigtländer soll die treibende Kraft dahinter gewesen sein.
Seither ist die GZS nur noch für Kreditkundenanfragen aus dem Genossenschaftsbankensektor zuständig. Die Konditionen rechnen sich für die GZS angeblich nicht. Das könnte anders werden, wenn nun First Data die GZS erwürbe. Dann, so lauten Befürchtungen im genossenschaftlichen Bankensektor, könnte mit der Aufteilung des Kreditkartengeschäftes zu für die GZS derart ungünstigen Konditionen Schluß sein. Unklar ist, ob der noch drei Jahr gültige Vertrag zwischen GZS und Card Process auch im Falle eines Eigentümerwechsels der GZS vollständig Gültigkeit behielte. Die DZ Bank, so wird spekuliert, müßte sich womöglich entscheiden: macht der genossenschaftliche Finanzverbund die ganze Kreditkartenabwicklung, Technik und Kundenbetreuung, selbst, oder geht er komplett wieder zurück zur GZS. Wie die Entscheidung der DZ Bank dann ausfiele, ist fraglich. Denn die seinerzeit neu gegründete Gesellschaft, die Card Process GmbH in Frankfurt, soll mehr als ein Jahr nach ihrem Start nach wie vor mit Anlaufschwierigkeiten kämpfen. Deshalb, so erklären sich zumindest Branchenbeobachter das von einigen Verhandlungsteilnehmern wahrgenommene Bremsen der DZ Bank, könnte DZ-Bank-Vorstand Voigtländer im Aufsichtsrat der GZS den Verkauf an First Data blockieren.
Text: F.A.Z., 08.10.2005, Nr. 234 / Seite 19
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